Bad Sülzer Soldaten besuchten Dokumentations- und Begegnungsstätte
Christiane Schuld und Helga Radau informierten über die Geschichte des Barther Gefangenenlagers für alliierte Piloten während des Zweiten Weltkrieges sowie über KZ, Zwangsarbeiter, Fliegerhorst und Flakschule.
| Die Silhouette der Stadt mit der Kirche am Horizont. So nah und doch für die Kriegsgefangenen im Stalag Luft I so fern. „Für viele der Gefangenen war die Kirche ein Zeichen der Hoffnung und Freiheit, wie ich in langen Gesprächen von ihnen erfahren habe. Sie bedeutete ihnen viel“, sagt Helga Radau vom Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth. Sie steht am Gedenkstein auf dem Stalag-Gelände und blickt hinüber zur Stadt. Um sie herum junge Soldaten und Soldatinnen der Flugabwehrraketengruppe 24 der Recknitztal-Kaserne Bad Sülze. |
Geschichte erforschen Der Förderverein „Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth“ wurde 1998 gegründet. Seine Mitglieder wollen die Forschungs- und Bildungsarbeit zur regionalen Geschichte zwischen 1933 und 1945 initiieren, begleiten und unterstützen. Zentrale Bezugspunkte der Arbeit sind das KZ-Außenlager Ravensbrück in Barth und das Mahnmal für die Opfer sowie das Gelände und die Gedenkstätte für das Kriegsgefangenlager Stalag Luft I. Es werden Schicksale von verfolgten, verschleppten und getöteten Menschen erforscht und dokumentiert, Zeitzeugen befragt und Spuren der Vergangenheit gesichert. |
Im
Rahmen der politischen Bildung besuchten sie
mit Stabsfeldwebel Frank Dittmann und Oberleutnant
Roland
Müller die Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth, sahen sich die
DOK-Ausstellung »12
von 750 – Barth im Nationalsozialismus 1933 - 1945«
an, besichtigten das ehemalige KZ-Gelände und fuhren hinaus zum ehemaligen
Stalag Luft I. Selbst war Frank Dittmann auf einem privaten Ausflug auf die
Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth gestoßen. „Was ich persönlich sehr
interessant finde, ist die Tatsache, dass es in Barth sowohl ein Stalag der
Luftwaffe als auch ein KZ gab, was an sich widersprüchlich ist“, fuhr er
fort. Sein Vorschlag, nach Barth zu fahren, kam bei den Soldaten gut an.
Im Stalag Luft I,
das von der Luftwaffe der Wehrmacht verwaltet worden war, waren Angehörige der
alliierten
Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs als Kriegsgefangene inhaftiert gewesen.
Doch was ein Stalag Luft ist, wussten von den jungen Soldaten nur die wenigsten.
„Von ihnen sahen mich 99 Prozent mit fragenden Augen an. Speziell Stalag Luft
wird im Geschichtsunterricht auch nicht durchgenommen. Insofern war es gut, dass
in Vorbereitung auf unseren Besuch die Leute von der DOK-Stätte einen Vortrag in
der Kaserne hielten“, so Stabsfeldwebel Dittmann. Während Christiane Schuld
über die historischen Fakten, Hintergründe und zur Geschichte des
Nationalsozialismus sprach, referierte Helga Radau über das Stalag Luft I.
Auch sah man sich gemeinsam den Film »Gefangen am Barther Bodden« an. „Das Gespräch anschließend war sehr gut. Der Film hat die Soldaten beeindruckt“, reflektierte Helga Radau den Besuch in der Kaserne. Gespräche mit Soldaten über die Ereignisse im Nationalsozialismus in Barth sind für die beiden Frauen nicht neu. Erst vor wenigen Wochen war ein Jagdgeschwader des technischen Dienstes aus Laage in Barth und besuchte die verschiedenen Gedenkstätten. Auch von der Marinetechnikschule Parow kommen immer wieder Soldaten, um sich in der DOK-Stätte zu informieren. „Was für uns sehr wichtig ist. Gerade in Bezug auf Stalag Luft I. Sie sind ebenso Soldaten, wie es die jungen Männer waren, die hier gefangen gehalten wurden. Sie müssen wissen, was hier in Barth los gewesen ist. Wie sich Deutsche und die Barther ganz unterschiedlich gegenüber Kriegsgefangenen, KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern verhalten haben. Sie müssen begreifen, dass man immer die Wahl hat, und dass nichts vergessen werden darf“, verdeutlichte Helga Radau. Interessiert hörten die jungen Soldaten ihren Ausführungen zu, zeigten sich ob des fundierten Wissens der beiden Frauen beeindruckt. Auch waren viele erstaunt darüber, wie kompakt die Struktur in Barth in Sachen Kriegsgefangene, KZ, Zwangsarbeiter, Fliegerhorst und Flakschule war. Auf dem Stalag-Gelände erklärte ihnen Helga Radau die Aufteilung des Lagers, wo wer untergebracht war und dass über 100 Fluchttunnel gegraben wurden, aber nur zwei Fluchtversuche glücklich ausgingen.