Sein größter Wunsch sei es gewesen, noch einmal nach Barth zu kommen. Und es hat geklappt.

Vergrößerung durch klickenRoderick McKittrick kam zusammen mit seiner Frau Irene und Sohn Julian für einige Tage in die Stadt. „Ich denke, dass es wirklich das letzte Mal ist, dass ich hier bin. Langsam bin ich zu alt fürs Reisen“, meinte der 89-Jährige scherzhaft.

Bürgermeister Dr. Stefan Kerth hieß den Engländer und seine Familie herzlich willkommen. Er empfing sie im Rathaus. Roderick McKittrick ist ein ehemaliger Kriegsgefangener, der im Lager Stalag Luft I in Barth gefangen gehalten worden war.

Im November 1944 kam er als damals 22-Jähriger schwer verletzt dort an. Sein Flugzeug war auf dem Rückflug nach England aufgrund technischer Probleme auf der niederländischen Nordseeinsel Texel abgestürzt, wobei er sich schwere Verletzungen vor allem am Bein zugezogen hatte. Roderick McKittrick war Navigator gewesen. Sein damaliger Pilot und Kommandant Jeff Rothwell schildert in seinem Buch »The man with nine lives« (Der Mann mit den neun Leben) unter anderem den Absturz. Jeff Rothwell lebt heute in Neuseeland. „Es war kurz vor Kriegsende, und wir dachten, dass wir uns auf der Insel irgendwie bis dahin verstecken könnten. Doch man nahm uns gefangen. Tatsächlich war diese Gegend dann eine der letzten in Holland, die von den Alliierten befreit wurden“, so Roderick McKittrick, den die Verletzung von damals noch heute Probleme beim Gehen bereitet.

Der Engländer ist bereits zum vierten Mal in die Stadt zurückgekehrt, die, wie er sagt, einen erheblichen Teil seiner Lebenserfahrung ausmache. Das erste Mal war er im Jahr 1993 wieder in Barth.

Irene, Roderick und Julian McKittrick mit Helga Radau

Seinerzeit auf der Suche nach dem ehemaligen Stalag-Gelände hatte er zufällig auf der Straße Dr. Hartwig Schütt angesprochen, der sich nur besuchsweise in Barth aufhielt, aber ein sehr guter Freund von Helga Radau von der Dokumentations- und Begegnungsstätte (DOK) ist. Roderick Mc Kittrick, der übrigens sehr gut deutsch spricht, ebenso seine Frau, empfindet es noch heute als ein großes Glück, damals gleich an den Richtigen geraten zu sein. Dr. Schütt brachte ihn mit Helga Radau zusammen. So kam der Kontakt zur DOK zustande, woraus sich eine wunderbare Freundschaft zwischen ihnen entwickelte. „Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass er noch einmal jetzt nach Barth gekommen ist“, so Helga Radau. Zuvor war Roderick McKittrick mit seiner Frau 1996 zur Einweihung des Gedenksteins mit neuer Inschrift, die übrigens von ihm stammt, in Barth gewesen. Auf die Initiative von Helga Radau war die alte Gedenktafel am Stein auf dem Stalag-Gelände entfernt und durch eine neue ersetzt worden. Und dann war er im September 2001 zur DOK-Konferenz angereist. „Wir alle, die hierher zurück nach Barth kommen, bewundern, wie viel Anstrengungen die Stadt unternimmt und den DOK-Förderverein in seiner Arbeit unterstützt, um die Gedenkstätten so gut zu erhalten. Was hier passiert, ist erstaunlich“, sagte Roderick McKittrick. Bürgermeister Kerth entgegnete, dass es für solch eine kleine Stadt nicht leicht sei. „Die Stadt stellt sich ihre Verantwortung, ist sich ihrer Geschichte bewusst und leistet ihren Beitrag zur Aussöhnung. Die Herausforderungen sind dabei mit dem Stalag, dem KZ und den anderen Gedenkstätten groß“, sagte er.

Die Erinnerung, an das, was vor so langer Zeit in Barth passiert ist und an die Menschen von einst, geht Roderick McKittrick immer noch sehr nahe. Nach dem Absturz der Maschine und der Gefangennahme war er zunächst für drei Monate ins Lazarett nach Oberursel gekommen und dort verhört worden, bevor es nach Barth ging. Nach der Befreiung 1945 gehörte er dann bei der Operation »Lucky Strike« am 14. Mai 1945 zu den letzten, die vom Flughafen ausgeflogen wurden. Seltsamer Zufall – heute wohnt sein Sohn Julian in Oberursel. Auch die Klinik existiert noch.

Helga Radau ist eine großartige Frau, die den Kontakt zu uns ehemaligen Kriegsgefangenen wunderbar aufrecht erhält und sich sehr für uns mit der Ausstellung und der Betreuung der Gedenkstätten einsetzt. Für ihr Engagement bewundere ich sie sehr“, so der Engländer. Wobei mittlerweile auch immer mehr Kinder und Enkel von ehemaligen Kriegsgefangenen nach Barth kommen, die von ihr betreut und begleitet werden.

Fext und Fotos: Claudia Haiplick

 

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